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15.11.2012

In der Logistik zahlt sich Nachhaltigkeit aus

Nur wenige Unternehmen achten bei der Wahl des Zulieferers auf die Transport- und Managementkosten.

Mit Teelichtern gefüllte Plastikbeutel – das war einmal. Die Luft in den Beuteln wiegt zwar nichts, kostet aber Platz. Eng in Kartons gepackt, passen mehr Teelichter in einen Container, und die Frachtschiffe sind besser ausgelastet. Der Versender spart Frachtkosten und senkt nebenbei den Ausstoß des Treibhausgases CO2. Effizienz muss Nachhaltigkeit nicht im Wege stehen. Ganz im Gegenteil: Statt drei Liter Wein in Glasflaschen zu transportieren, hat die STI Group mit Bag-in-Box eine Verpackung realisiert, die rund 38 Prozent weniger wiegt als vier Glasflaschen mit 0,75 Liter Inhalt, gleichzeitig die Palettenausnutzung um 128 Prozent steigert und die CO2-Emissionen um rund 55 Prozent reduziert.

„Mittelständische Unternehmen können viel Geld sparen, wenn sie ihre Verpackungslogistik optimieren und über die reine Stückkostenbetrachtung hinausgehen“, sagt Jens Hornstein, Partner bei Kerkhoff Consulting. Dabei zahlt sich Nachhaltigkeit kaum irgendwo schneller aus als in der Logistik, denn Transporte kosten Energie und damit Geld. Doch nur sieben Prozent aller Mittelständler machen sich einer Studie von Kerkhoff zufolge, an der 200 Unternehmen mit einem Jahresumsatz über 50 Millionen Euro teilnahmen, Gedanken, wie sie ihre Logistik umweltgerechter gestalten können.

So lohnt es sich zum Beispiel die Strecke, die ein Produkt bis zum Bestimmungsort zurücklegt, unter die Lupe zu nehmen. Mitunter kommt dabei heraus, dass es sich nicht immer lohnt, ein Produkt oder Bauteil aus dem Fernen Osten zu beziehen. Mit Hilfe rechnergestützter Programme lassen sich die Kosten für Hunderte Bezugsregionen auf der Welt simulieren. Am Ende zeigt sich, ob es zielführend ist, ein Bauteil etwa in China oder in Tschechien fertigen zu lassen.

Nicht nur die Lieferkosten schlagen dabei zu Buche – auch Vorteile wie eine schnellere und flexible Reaktionsfähigkeit werden eingerechnet. Befindet sich der Lieferant in Europa, müssen zudem nicht gleich große Chargen bestellt werden. Damit sich die Lieferung von weither auch lohnt. Die Kapitalbindung entzieht dem Unternehmen Liquidität. Die Nähe zum Lieferanten generiert erhebliche Liquiditätsvorteile, denn mit weniger Transportkosten können mehr kleine Chargen auf den Weg gebracht werden.

Laut einer Studie des Bundesverbands Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik e. V. (BME) in Zusammenarbeit mit der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft Pricewaterhouse Coopers (PwC) beträgt der Preisvorteil bei den aus China am günstigsten beschafften Produktgruppen im Vergleich zu Deutschland bis zu 50 Prozent. Doch diese Einsparungen werden durch hohe Transportkosten zunichtegemacht: Viele Unternehmen kalkulierten den Aufwand für den Transport nach Deutschland nicht mit ein, heißt es. In der Regel beträgt die Einsparung denn auch nur zehn Prozent, denn Fracht- und Logistikkosten, Versicherungen, Prüfkosten, Verzollung, Anlieferung, Lagerung, Reklamations- und Managementkosten machen etwa ein Drittel der gesamten Beschaffungskosten aus. Bestellt der Käufer beim günstigsten Zulieferer, können die Logistikkosten den Vorteil schnell aufzehren, wenn dieser weitab vom nächsten Hafen produziert. Laut Studie kann aber jedes dritte Unternehmen weder die exakten Logistikkosten in China noch den Kostenvorteil gegenüber der Beschaffung in Deutschland oder anderen Märkten beziffern.

Global Sourcing kann, muss sich aber nicht lohnen. Gewinner dieser Erkenntnis ist auf kurz oder lang Europa: Denn Experten rechnen mit einen Anstieg der Energiepreise und der Klimarisiken – die eine Produktionsrückverlagerung anschieben werden. „Local Sourcing for Local Sales“ heißt diese Gegenbewegung, die mit nationalen kleinen Einheiten das Konzept des weltweiten Einkaufs und der globalen Weiterverarbeitung ablöst. „Dieser Prozess ist bereits im Gange“, bestätigt Jens-Jochen Roth, Leiter des Steinbeis-Innovationszentrums Logistik und Nachhaltigkeit, Sinsheim. Er ist überzeugt davon, dass mittelständische Unternehmen von diesem Trend zur absatznahen Produktion nachhaltig profitieren können. „Bisher sind die Transportkosten, angeheizt durch einen ruinösen Wettbewerb in der Branche, noch immer viel zu günstig. Mit einem Anstieg der Energiekosten werden sich zwangsläufig neue Absatzmärkte und -wege vor der Haustüre erschließen. Für mittelständische Unternehmen die Chance, sich mit Qualität vom Wettbewerb abzusetzen“, so Roth. In diesem Fall wird „Go West“ wieder richtungsweisend.


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