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08.04.2011

Flüssig nach der Krise

Mehr Liquidität durch Working Capital Management

Von Michael Betzien, Partner, Kerkhoff Consulting

Die Krise ist vorbei, die Nachfrage steigt wieder. Doch viele Unternehmen haben Probleme, die für den Aufschwung nötige Liquidität bereitzustellen. Denn um Aufträge fristgerecht erfüllen zu können, müssen Bestände aufgebaut und die Produktion hochgefahren werden. Ein funktionierendes Working Capital Management stärkt bei Unternehmen die dafür nötige Innenfinanzierung. Wenn eine Optimierung entlang der Wertschöpfungskette – im Einkauf, in der Produktion und im Absatz – verläuft, kann das gebundene Kapital signifikant gesenkt und dadurch die Liquidität des Unternehmens durchschnittlich um 20% bis 30% erhöht werden.

Einkauf: Bestands- und Zahlungsmanagement

Ein wichtiger Hebel zur Reduzierung desWorking Capital im Einkauf ist das Bestandsmanagement, denn Bestände sind in der Regel der größte Posten im Umlaufvermögen. Ein wesentliches Ziel ist dabei, die Beschaffungszeit von Waren zu verkürzen, damit Unternehmen flexibel auf Abnahme- und Preisschwankungen reagieren können, ohne hohe Sicherheitsbestände aufbauen zu müssen. Verschiedene Maßnahmen sind hilfreich, um dieses Ziel zu erreichen: Erstens ermöglicht eine enge informationstechnische Anbindung des Lieferanten, dass Schwankungen in der Nachfrage rechtzeitig begegnet werden kann. Eine besondere Ausprägung davon ist der lieferantengesteuerte Bestand. Dabei übernimmt der Lieferant die Steuerung und Bewirtschaftung des Lagers des Unternehmens. Zweitens kann durch Just-in-Time-Belieferungen eine Synchronisation von Lieferung und Verbrauch erreicht werden.

In der Produktion muss dann nur so viel Material gelagert werden, wie für die Herstellung benötigt wird. Eine Lagerung durch den Unternehmer entfällt somit. Zusätzlich hilft ein strategisches Lieferantenmanagement dabei, Bestände niedrig zu halten und Fehlkosten zu senken. Bei der Auswahl neuer Lieferanten sollten im Vorfeld detaillierte Bewertungen herangezogen und die Zusammenarbeit rechtlich abgesichert werden. So können Unternehmen vermeiden, dass sie bei Frühlieferungen auch früher zahlen müssen.

Ein weiterer entscheidender Faktor zur Reduzierung des gebundenen Kapitals ist die
Optimierung der Zahlungskonditionen. Eine Ausweitung der Zahlungsziele gegenüber dem Lieferanten wirkt sich aus Sicht eines einzelnen Unternehmens grundsätzlich positiv auf dessen Liquidität aus, da dies zu einer Verkürzung der Kapitalbindungsdauer führt. Auch durch eine gezieltere Zusammenarbeit zwischen Unternehmen und Lieferanten können Kosten eingespart werden. Hat beispielsweise das abnehmende Unternehmen einen geringeren Kapitalkostensatz als der Lieferant, kann das Zahlungsziel verkürzt werden und das Unternehmen erhält dafür einen Preisnachlass vom Lieferanten.

Produktion: Durchlaufzeiten reduzieren

In der Produktion greifen verschiedene Maßnahmen ineinander, die einen direkten Einfluss auf das Working Capital haben. Durch die Verringerung der Durchlaufzeit kann ein Unternehmen flexibler auf die Kundennachfrage reagieren und muss keine hohen Lagerbestände aufbauen, um Schwankungen in der Nachfrage begegnen zu können. Besonders bei der Rüstzeit von Maschinen kann viel Zeit und Geld gespart werden, denn während an einer Maschine gearbeitet wird, steht die Produktion still. Bei einer Reduzierung der Rüstzeit um 50%, zum Beispiel durch sogenanntes externes Rüsten, können auch die Losgrößen um bis zu 50% verkleinert werden. Dies ermöglicht eine höhere Flexibilität in der Produktion. So kann stärker auf die Kundennachfrage eingegangen und nur das produziert werden, was auch wirklich benötigt wird. Gleichzeitig verringern sich die Sicherheits- und Schwankungsbestände in der Produktion.

Weiterhin kann durch Laufwegoptimierungen Zeit gespart werden, und zwar sowohl bei der Rüstung als auch in der gesamten Produktion. Dabei wird die Produktion in Abschnitte unterteilt und durch sinnvolle Umstellung der Maschinen neu angeordnet. Hier empfiehlt sich häufig die Einrichtung einer U-Zelle, damit der Weg zwischen allen Maschinen so kurz wie möglich gehalten wird. Auch die Steuerung der Produktion hat einen großen Einfluss auf ihre Bestände. Bei einer dezentralen Steuerung ist es möglich, den Zufluss an Material an bestimmten Stellen zu beeinflussen, was die Produktion flexibel macht. Die Produktion steuert sich also durch den Bedarf an den jeweiligen Stellen selbst und hohe Bestände können sich nicht aufbauen.

Absatz: Forderungsmanagement implementieren
Das Working Capital kann auch im Absatz reduziert werden. Gezieltes Forderungsmanagement stellt sicher, dass Zahlungen vom Kunden innerhalb eines möglichst kurzen Zeitraums eingehen. Dies gelingt zum einen durch die Optimierung des Rechnungsstellungsprozesses und des Mahnwesens. Die Implementierung einer elektronischen Lösung kann Prozesse signifikant vereinfachen und standardisieren. Zum anderen erreicht das Unternehmen durch den Aufbau eines Vertrauensverhältnisses mit dem Kunden, dass dieser seine Rechnungen schnell zahlt – zum Beispiel durch die durchgängige Sicherstellung der Qualität der Produkte oder durch die stetige Einhaltung der Lieferzeit. Es empfiehlt sich außerdem, dem Kunden durch verkürzte Zahlungsziele ein Skonto zu ermöglichen. Dabei sollte im Vorfeld berechnet werden, ob der Gewinn aus dem verkürzten Zahlungsziel größer ist als der Umsatzausfall durch das Skonto.

Um grundsätzlich Forderungsausfälle zu vermeiden, müssen Kunden vor Eingehen eines Geschäftsverhältnisses auf ihre Kreditfähigkeit überprüft werden. Durch das Festlegen der Zahlungskonditionen in den Allgemeinen Geschäftsbedingungen kann eine rechtliche Grundlage für die Einforderung des Rechnungsbetrags geschaffen werden. Eine weitere Möglichkeit ist die Lieferung der Waren nur gegen Vorauskasse. Ein übliches Vorgehen ist außerdem der Verkauf der Forderungen an ein Factoring- Unternehmen. Der sogenannte Factor bezahlt dabei sofort den Betrag der Forderung abzüglich einer Gebühr und eines Zinssatzes. Als Gegenleistung übernimmt er aber alle Ausfallrisiken. Auch hier muss kaufmännisch abgewogen werden, ob der Gewinn, der durch den schnelleren Zahlungseingang entsteht, größer ist als die Gebühr, die für das Factoring bezahlt werden muss.

Fazit:
Ein optimiertes Working Capital Management kann, wenn gezielte Maßnahmen entlang der Supply Chain ineinander greifen, Unternehmen viel Geld sparen. Es unterstützt die Innenfinanzierung und kann im besten Fall den Betrieb von externen Kapitalgebern unabhängig machen.

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