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11.07.2012

Einkäufermangel in Österreich

Das Land der Berge ruft

Österreichische Unternehmen tun sich schwer, wenn es darum geht leitende Positionen im Einkauf zu besetzen. So benötigen rund zwei Drittel für die Neubesetzung ihres Einkaufschefs mehr als acht Monate. Das ergab eine Studie der Personalberatung Penning Consulting, dem Einkaufsberatungsunternehmen Kerkhoff Consulting und dem Forum Einkauf des Österreichischen Produktivitäts-und Wirtschaftlichkeits-Zentrums (ÖPWZ). Befragt wurden 175 Unternehmen.

Ein Fünftel der Unternehmen unseres südlichen Nachbarlandes benötigt vier bis sechs Monate, um einen neuen Einkaufsleiter zu finden. 31 Prozent sind der Meinung, dass externe Bewerber die fachlichen Anforderungen häufig nicht erfüllen. Nicht einmal 20 Prozent der befragten Unternehmen haben für strategische Positionen im Einkauf einen internen Nachfolger parat.

„Das Ergebnis ist erschütternd", sagt Stephan Penning, Geschäftsführender Gesellschafter von Penning Consulting. „ Österreichische Unternehmen offenbaren eklatante Lücken in der Rekrutierung neuer Einkaufsmitarbeiter. Obwohl eine Besetzung sehr lang dauert und die Bewerber häufig nicht über die passende Eignung verfügen, entwickelt man intern keine Nachfolger. So lässt sich in einer ungünstigen Situation über Monate eine ganze Abteilung lahm legen."

Auch die Rekrutierung eines strategischen Einkäufers dauert bei 56 Prozent der Unternehmen länger als acht Monate. Selbst bei Facheinkäufern (56 %) und Sachbearbeitern (57 %) schafft es nach eigener Angabe die Mehrheit der Unternehmen nicht, die Positionen innerhalb von acht Monaten neu zu besetzen. Immerhin gelingt es einem Viertel der befragten Unternehmen, Sachbearbeiter innerhalb von zwei Monaten einzustellen.

„Die erhobenen Zahlen verdeutlichen, dass in den vergangenen Jahren viel zu wenig in die Ausbildung von Einkäufern investiert worden ist", sagt Gundula Jäger, Geschäftsführerin von Kerkhoff Consulting Österreich. „Es gibt in Europa weiterhin kaum Universitäten, die speziell Einkaufs- und Supply-Chain-Spezialisten ausbilden. Gleichzeitig werden bei stets komplexer werdenden internationalen Lieferketten aber genau diese Leute benötigt. Dies führt jetzt zu einer angespannten Personalsituation."

Trotz der langen Besetzungszeiten setzen viele Unternehmen in Österreich weiterhin auf klassische Kanäle zur Rekrutierung. Besonders auffällig: Print-Medien (77 % der befragten Unternehmen) kommen nach wie vor häufiger zum Einsatz als Online-Medien (rund 60 %). „Diese Angaben verwundern, denn laut aktuellen Studien ist das Internet heute der wichtigste Rekrutierungskanal", sagt Stephan Penning. „Die Unternehmen verpassen damit vor allem die besonders hochkarätige Gruppe der jungen Potenzialträger."

Viele Unternehmen schreiben ihre Stellen zwar intern aus (70 %), auf Mitarbeiterempfehlungen setzen aber nur rund zwei Fünftel der Befragten. „Gute Einkäufer kennen häufig gute Einkäufer", sagt Gundula Jäger. „Dementsprechend wird diese Möglichkeit zur Personalgewinnung von viel zu wenigen Unternehmen eingesetzt, um Vakanzen schnell zu besetzen."

Auch externen Rat nutzen weniger als die Hälfte der österreichischen Unternehmen (49 %). Stephan Penning: „Dennoch werden Personalberater im Durchschnitt sieben Prozent häufiger für die Besetzung von Vakanzen im Bereich Einkauf eingesetzt, als für die Besetzung anderer Positionen. Aber: Für viele Personalberater und Headhunter ist der Markt Einkäufer und Supply-Chain-Manager sehr neu. Sie verfügen noch nicht über ausreichend belastbare Netzwerke, um als Feuerwehr Brände zu löschen, wenn kurzfristig eine wichtige Besetzung erfolgen soll."

Die Befragung wurde von der Personalberatung Penning Consulting, der Einkaufsberatung Kerkhoff Consulting und dem Forum Einkauf des Österreichischen Produktivitäts-und Wirtschaftlichkeits-Zentrums (ÖPWZ) elektronisch durchgeführt. Insgesamt haben sich 175 österreichische Unternehmen aller Branchen an der Studie beteiligt.

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