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21.08.2012

Einkäufer leiden unter der Blockade von Rohstoffländern

Wie sich die Einkaufspreise von Rohstoffen zusammensetzen, weiß der Einkäufer in der Regel nicht. Um sich nicht von Händlern abhängig zu machen, sollte ein Teil der Waren selbst abgebaut oder direkt beim Hersteller eingekauft werden. Das Ausweichen in andere Länder ist nur bedingt sinnvoll.

Rohstoffe wie etwa Edelmetalle, Öl oder Seltene Erden werden knapp und teuer. Diese Entwicklung lässt sich seit Jahren beobachten. Auch wenn der Preisdruck bei Gold, Silber und Platin zurzeit etwas nachlässt, ist in den kommenden Jahren mit weiteren Preissteigerungen zu rechnen. Das liegt nicht nur an der geologischen Verknappung dieser Güter, sondern auch am Exportverhalten der Rohstoffländer. China zum Beispiel hat seinen Export seit dem Jahr 2000 um circa drei Viertel zurückgefahren. Das hat das Deutsche Institut für Wirtschaft (IDW) in Köln errechnet. Nun macht China komplett dicht, um seine eigenen Bedürfnisse zu decken und seine Monopolstellung zu stärken.

Für deutsche Unternehmen ist das eine fatale Entwicklung. Egal ob in Elektroautos, Solarzellen, Elektronik oder in der Optischen Industrie – Seltene Erden sind durch kein anderes Material zu ersetzen. Um den Druck aus dem Markt zu nehmen, hat die Welthandelsorganisation (WTO) ein Verfahren gegen China eingeleitet, und die Erschließung neuer Abbaugebiete in anderen Regionen soll Unternehmen Versorgungssicherheit gewährleisten. Doch die Verlagerung in andere Länder ist kein Königsweg. „Wer sich langfristig absichern will, sollte seine Einkaufsstrategie überdenken", rät Dirk Schäfer, Geschäftsführer bei Kerkhoff Consulting. Das heißt: Es stelle sich nicht die Frage, in welches Land ein Unternehmen ausweicht, sondern ob es beim Hersteller oder Händler kauft oder seine eigenen Minen betreibt. „Das ist ein größerer Kostenhebel als ein Länderwechsel." Allerdings müsse man sich gut überlegen, ob man sich gesellschaftsrechtlich in Krisenregionen engagieren will.

Schäfer rät, bei Rohstoffen nicht alles auf eine Karte zu setzen: „Meistens kaufen Unternehmen beim Händler." Wie sich die Kosten zusammensetzen – also wie hoch der eigentliche Rohstoffpreis und die Händlermargen sind, wissen die Abnehmer normalerweise nicht. „Man sollte eine bestimmte Menge selbst einkaufen", rät Schäfer. Für die Transparenz sei es unerheblich, ob der Käufer eigene Minen besitzt oder mit den Herstellern verhandelt. „Mindestens die Hälfte sollte man direkt einkaufen und dann beides gegeneinander abwägen", findet Schäfer, „ein Händler bedeutet zwar ein geringeres Risiko, allerdings auch höhere Preise." Eine gesunde Mischung rät er auch bei der Frage, ob Unternehmen eher langfristig oder am Spotmarkt kaufen sollten, um die Abhängigkeit von Lieferanten und die Lagerkosten in einem ausgewogenen Verhältnis zu halten.

Um mehr Transparenz bei den Rohstoffmärkten bemüht sich auch die EU, allerdings aus anderen Gründen: Ihr geht es vorwiegend darum, offenzulegen, wohin die Gewinne aus dem Geschäft mit Öl, Diamanten und Metallen fließen, und gegen Ausbeutung vorzugehen. In Krisenländern verschwindet ein Großteil der Gelder in Schwarzen Kassen und in der Waffenindustrie. Diese Länder als Lieferanten zu meiden, ist nicht nur eine Frage der Ethik, sondern beweist auch, dass die Rohstoffe künstlich verteuert werden und die Marktpreise verzerren, was sich in Unternehmen negativ auf den Einkauf und folglich auf die Verkaufspreise auswirkt. Gerade im hart umkämpften Elektronikmarkt drückt diese Situation auf die Margen.

Nun will die EU-Kommission mit Transparenzregeln dafür sorgen, dass die Gewinne den Beteiligten zugeordnet werden können. Ein hehres Ziel, denn weder Diktatoren noch Rohstoffhersteller lassen sich in die Karten schauen. Die Bundesregierung blockiert die EU-Pläne, was es für Einkäufer schwer macht, die richtigen Länder und Lieferanten zu finden und realistische Preise auszuhandeln. Dies wäre nur möglich, wenn Rohstoffunternehmen und -händler offenlegen müssten, was sie für die Abbaurechte zahlen und welche Aufschläge sie berechnen. Bis dahin bleiben den Käufern nur harte Verhandlungen und die Suche nach alternativen Materialien.

· Kirsten Seegmüller Freie Journalistin in Leinfelden



Nachgefragt    

„Verträge und Leistungsverzeichnisse müssen vereinheitlicht werden"

· Herr Schäfer, was hat sich seit dem Buch aus Ihrem Unternehmen „Milliardengrab Einkauf" getan?

Das Buch ist schon acht Jahre alt, aber der Titel gilt nach wie vor. Es gibt immer noch große Potenziale, die nicht genutzt werden. Der Einkauf sollte stärker als wertschöpfende Funktion wahrgenommen werden und in die Bereiche Technik, Entwicklung, Materialfluss und Vertriebsplanung eingebunden werden.

· Und warum funktioniert das nicht?

Es fehlen die Tools. Der Einkauf weiß oft nicht einmal, wer an welcher Stelle wofür Geld ausgibt. Wichtig ist es daher, eine Ausgabentransparenz zu schaffen und dann einen zentralisierten Einkauf einzurichten.

· Können Sie ein paar Beispiele nennen?

Die Wartung und Instandhaltung von Maschinen und Gebäuden wird in der Regel an jedem Standort dezentral gemanagt. Selbst bei einem gleichen Maschinenpark vereinbaren die Verantwortlichen vor Ort unterschiedliche Verträge mit unterschiedlichen Wartungsintervallen. Manche vereinbaren Werkverträge, andere bezahlen nach Zeitaufwand. Auch die Leistungsverzeichnisse sind oft unterschiedlich. Wenn man die Übersicht hat, wer was einkauft, kann man vieles vereinheitlichen und bündeln. In unserem Beispiel gibt es viele Dienstleister, die global agieren und entsprechende Konditionen einrichten können.

· An welchem Hebel kann man noch Kosten einsparen, ohne die Preise zu drücken?

Zum einen sollte man die Fertigungstiefe überdenken. Ein Hersteller von Schneeraupen muss die Fahrerkabine nicht selbst herstellen, nur weil sie bisher als Kernkomponente galt. Der Zukauf kann durchaus günstiger sein. Mit einem strategischen Beschaffungsmanagement lassen sich 20 bis 30 Prozent der Kosten einsparen.

· Sind Sie also ein Verfechter des Outsourcings?

Nein, man sollte das nicht aus Prinzip tun. Manchmal ist Insourcing sinnvoll, vor allem wenn der Lieferant quasi Monopolist ist und Preise bestimmen kann. Wenn eine so große Abhängigkeit entstanden ist, sollte man die Produktion dieser Teile wieder in den Betrieb verlagern. Wenn der Einkauf auf Widerstände im Vorstand oder in der Technik trifft, muss er die Einsparungen vorrechnen und hartnäckig bleiben.

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