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21.02.2018

Eine Frage der Vernetzung

Konsumgüter. Das Zusammenspiel von Produktion, Logistik und Handel entscheidet darüber, wie viel Konsumenten über Lieferketten erfahren. In der Praxis gibt es aber noch Probleme.

VON RAINER HENNIG

Beim Schlendern durch den Supermarkt erfahren Verbraucher immer mindestens drei Dinge über den Inhalt ihrer Einkaufstaschen: Was es kostet, wie lange Lebensmittel haltbar sind und wo sie herkommen. Wer jedoch darauf achtet, nicht die Katze im Sack zu kaufen, muss weiter denken. Wer wirklich wissen will, wie es um das Produkt steht, das irgendwann im eigenen Suppentopf landet, der muss sich über die gesamte Lieferkette Gedanken machen - von der Ursprungsregion bis zum eigenen Kühlschrank.

Volker Plass führt die beiden Enden der Lieferkette unter ökologischen Aspekten zusammen. Der Programmdirektor von Greenpeace in Österreich nennt hierfür Beispiele, wie komplex die Zusammenhänge aus ganzheitlicher Perspektive sind. So spielten etwa die Anbaubedingungen eine wesentliche Rolle: "Spanische Freiland-Tomaten haben eine bessere CO2-Bilanz als Österreichische Glashaus Tomaten, da diese - in der Regel mit fossilen Energieträgern erfolgende - Beheizung der Glashäuser problematischer ist als fast 2000 Kilometer Transportweg." Entscheidend sind ihm zufolge daher nicht nur die Regionalität einzelner Produkte, sondern - wie konkret bei Lebensmitteln - auch deren Saisonalität. Plass betont aber auch, dass die "letzten Kilometer" entscheidend seien. Der Mitarbeiter der Umweltschutzorganisation appelliert daher an die Verbraucher selbst: "Wenn der Weg zwischen Wohnadresse und Supermarkt mit dem SUV zurückgelegt wird, kann das auch regionale Produkte zu ,Klimakillern' machen."

Offensichtliche Fragen


Industrie und Handel haben mittlerweile erkannt, dass sie ihren Teil zu mehr Transparenz beitragen müssen, um gewisse Konsumentengruppen nicht zu verlieren. "In den letzten Jahren ist das Bewusstsein vieler Endkonsumenten so gestiegen, dass die Einhaltung sozialer und ökologischer Standards entlang der Lieferkette eine immer größere Bedeutung bekommt", sagt Gundula Pally, Geschäftsführerin von Kerkhoff Consulting in Österreich, einer Managementberatung die sich auf Lieferketten spezialisiert hat. Die Expertin betont hierbei, dass diese Entwicklung mittlerweile die verschiedensten Branchen treffe und es nicht nur um die Lebensmittelindustrie gehe. "Transparenz entlang der gesamten Wertschöpfungskette wird ein zunehmend größerer Wettbewerbsfaktor", ist sich Pally sicher.

Unter Erklärungsdruck

Bewusstsein hin, Transparenz her, niemand muss sich etwas vormachen: In einer Welt, in der an kalten Februartagen in Österreichs Supermärkten Bananen aus Ecuador und peruanische Avocados neben Limetten aus Brasilien liegen, existieren unsichtbare, aber sehr komplexe Lieferketten und dementsprechend auch viele Fragezeichen.

"Überall wo Fragen von Konsumenten entstehen, können Unternehmen unter Erklärungsdruck geraten", sagt Pally und betont dabei, dass es oftmals gar nicht aus der Tatsache heraus geschehe, "dass etwas verschleiert werden soll." Der Grund liege vielmehrdarin, "dass selbst unternehmensintern keine klare Transparenz über alle Beschaffungskanäle gegeben ist." Um Intransparenz zu vermeiden, müssen Händler als Schnittstelle zwischen Produzenten und Konsumenten gleich an mehreren Fronten aktiv sein.

"Mehr Transparenz in der Lieferkette kann nur im Zusammenspiel von Produktion, Logistik und Handel erzielt werden", gibt sich Paul Pöttschacher, Sprecher von Rewe International überzeugt. Die Tochter der deutschen Rewe-Group ist in Österreich etwa mit den Märkten Billa oder Merkur sehr präsent. Pöttschacher betont auch: Der Händler stehe zudem im täglichen Kontakt mit den Kunden - und die würden Produkte aus ihrer Region "weiterhin verstärkt nachfragen."

Sowohl die Herkunft, aber auch ein kürzerer Transportweg würden hierbei eine Rolle spielen. Informationen über Ersteres sind für den Handelsriesen kein Problem mehr. Hier geht es teilweise sogar bis ins Detail. An anderer Stelle bleibt es für Käufer allerdings undurchsichtig, gesteht Pöttschacher ein: "Eine Möglichkeit, die genauen Transportwege zu prüfen, gibt es für Kunden derzeit nicht." Der Rewe-Sprecher betont aber: "Natürlich sind wir im Sinne der Effizienz stets bemüht, diese Wege möglichst kurz zu halten."

Praktische Probleme

Mehr Informationen über zurückgelegte Strecken, das würde Plass von Greenpeace grundsätzlich ebenfalls gut finden. Er gibt aber gleichzeitig auch das praktische Problem dahinter zu bedenken, dass sich eine genaue Berechnung des Gesamtweges bei Produkten mit sehr vielen Komponenten als "äußerst kompliziert" erweisen könnte. Auch Verpackungsaufdrucke, die den eigentlichen Verkaufsort nicht direkt mitberücksichtigen können, geben Plass zufolge nur unzureichend Aufschluss: "Wenn zum Beispiel ein chinesischer Hersteller ein Produkt in einer Verpackung für den deutschsprachigen Raum nach Hamburg verschifft, ist es ein großer Unterschied, ob dieses Produkt letztendlich in Hamburg selbst oder in Wien oder Zürich konsumiert wird." Das Problem dabei: "Die Lieferketten der einzelnen Händler wird der Hersteller kaum überblicken können."

AUF EINEN BLICK

Sehr viel Transparenz in Lieferketten ist heute schon möglich, es hakt allerdings an der Zusammenarbeit der beteiligten Akteure. Der Beweis, dass es rein technisch funktioniert, liefert die Paketlogistik. Hier haben Endkunden von großen Dienstleistern die Möglichkeit, viele Details zu erfahren. Mittels Onlineabfragen ist der Weg ihres Pakets von A nach B sehr transparent. Allein diese Information könnte bei Konsumgütern aus dem Supermarktregal sehr viel über die Umweltbilanz der zurückgelegten Strecke verraten.

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