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01.07.2016

„Die Regelung der Nachfolge sollte ganz oben auf der Prioritätenliste stehen“

Viele Unternehmen in Deutschland sehen sich mit dem Problem konfrontiert, einen passenden Nachfolger zu finden. Nicht immer können Unternehmerpersönlichkeiten aus den eigenen Reihen rekrutiert werden. Doch auch bei der Übergabe innerhalb der Familie gilt es gewisse Herausforderungen zu bewältigen. Hilfe von außen kann dabei sinnvoll sein.

VC Magazin: In welchen Situationen bieten sich Interim Management-Lösungen bei Unternehmensnachfolgen an? In welchen Konstellationen sind sie weniger gut geeignet?

Burghardt: Der temporäre Einsatz eines externen Experten ist eine gute Sache, wenn der Nachfolger in der Familie schon feststeht. Nach einer Statistik aus dem Jahr 2015 gibt es bei 50% der Unternehmensnachfolgen eine familieninterne Nachfolge. In rund 30% der Fälle findet sich eine Lösung mit einem Management Buyout oder einem Management Buyin. In immerhin 20% der Fälle kommt es zu einer Stilllegung, Liquidation oder zum Verkauf des Unternehmens. Bei der familieninternen Nachfolge gibt es unterschiedliche Aufgabenstellungen für einen Interim Manager, damit der Generationswechsel gelingt. Die umfassende Einarbeitung und Coaching des Juniors durch einen externen Manager ist eine gängige Option. Wenn es keine familieninterne Lösung gibt und der Unternehmenslenker sein Unternehmen verkaufen möchte, ist das Interim Management ein bedeutendes Instrument. Der Einsatz von Interim Management kann sich für den Verkäufer lohnen, wenn wertvolle Potenziale gehoben und damit der Unternehmenswert gesteigert werden kann, was folglich zu einem höheren Verkaufspreis führt. Nicht so gut funktioniert es, wenn Veränderungsprozesse nicht ausreichend vorbereitet werden oder der externe Manager zu spät ins Unternehmen kommt. Insbesondere, wenn der Druck von außen - z.B. durch finanzielle Probleme - so hoch ist, dass die Nachfolgeregelung keine souveräne Handlung mehr ist. Der Unternehmer sollte sich deshalb früh genug mit der Nachfolge beschäftigen und das Thema ganz oben auf die Prioritätenliste setzen.

VC Magazin: In den vergangenen Jahren haben sich viele Private Equity—Gesellschaften auf bestimmte Branchen fokussiert. Inwieweit spielen Interim Manager in einem derart spezialisierten Umfeld noch eine Rolle?

Burghardt: Die Private Equity - Szene ist derzeit „with pockets full of money“, doch es fehlt an Übernahmezielen. Meine Beobachtung ist, dass die Investoren sich deshalb stärker auf ihre bestehenden Beteiligungen konzentrieren und versuchen, Wertsteigerungsmaßnahmen in den Portfoliounternehmen durchzuführen. Dies geschieht häufig durch Interim Manager. Meiner Meinung nach werden die hohen Kaufpreise, der verstärkte Fokus auf substanzielle Wertsteigerungen und die damit einhergehende wachsende Bedeutung strategischer und operativer Management-Themen in den Portfoliounternehmen den Bedarf an Interim Managern weiter erhöhen. Interim Manager bieten sich auch als externe Berater bei der Anbahnung von Deals an. Auch in der Transaktionsphase, etwa bei der Due Diligence, werden sie häufig in Anspruch genommen. Eine weitere Möglichkeit der Zusammenarbeit sehe ich z.B. bei einem MBO, wenn der Interim Manager mit eigenem Geld ins Unternehmen einsteigt und sich beteiligt. Familienunternehmen nehmen gerne während Transaktionen externe Experten mit an Bord, z.B. zur Unterstützung während einer Roadshow.

VC Magazin: Private Equity hatte lange nicht den besten Ruf bei Unternehmern. Besteht nicht die Gefahr, dass ein „Manager auf Zeit“ auf langfristig denkende Unternehmer zusätzlich abschreckend wirkt?

Burghardt: Unternehmensnachfolgen sind ein hochgradig emotionales Thema. Die Unternehmenslenker sind sehr stolz auf ihr Lebenswerk. Umso wichtig ist hier, dass die Chemie zwischen Unternehmer und Interim Manager bzw. Private Equity-Investor perfekt passt. Sowohl für den Einsatz von Private Equity als auch für das Interim Management gelten die gleichen Regeln: frühzeitige Vorbereitung, Respekt vor dem Lebenswerk des Unternehmers, unternehmerisches Denken und Handeln sowie eine klare, transparente Kommunikation. Zwischen Private Equity - Gesellschaften und dem Management der Portfoliounternehmen bestehen häufig unterschiedliche Interessenlagen, Unternehmenskulturen und Wertvorstellungen. Der Interim Manager ist hier eine fachliche und kommunikative Brücke zwischen Private Equity-Gesellschaft und Unternehmen.

VC Magazin: Unternehmensnachfolgen sind aufseiten der Verkäufer also eine emotionale Angelegenheit. Auf welche Fallstricke sollte man bei einer Unternehmensnachfolge mit einem Interim Manager besonders achten?

Burghardt:
Der Generationswechsel ist immer eine große Herausforderung für ein Familienunternehmen. Der erfahrene Interim Manager sollte nicht nur von seiner fachlichen Kompetenz her passen, sondern muss sich auch in die Unternehmenskultur einfügen. Er sollte eine Vision für das Unternehmen aufzeigen, ohne die bisherigen Erfolgsfaktoren und traditionellen Eigenheiten radikal zu verändern. Schwierig kann es werden, wenn Erben im Spiel sind, die nicht im operativen Geschäft tätig sind. Hier ist die Herausforderung, im Interesse aller Erben zu agieren, ohne die Unternehmensziele aus den Augen zu verlieren. Das erfordert gute kommunikative Fähigkeiten sowie das richtige Fingerspitzengefühl. Der Erfolg eines Unternehmens wird in allererster Linie von Menschen bestimmt, deshalb ist die Auswahl des passgenauen Interim Managers essenziell für den Erfolg der Unternehmensnachfolge.

VC Magazin: Vielen Dank für das Interview, Frau Burghardt!

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